1) Jubiläumswanderung Köln-Blens - 2 Tage -
123 km
Blasen gab es schon auf der Jubi-Wanderung vom Dom zum Eifelheim nach
Blens. Am Freitag den 22.Juni trafen sich um 7.30 die Weitwanderer zum
gemeinsamen Frühstück an der Kletterhalle Bronx -Rock. Zuvor sind bereits
Peter Ille, Thomas Radermacher, Heinz-Josef Müller und Andre´Hauschke
,nach einem Begrüßungssekt von Radi um 5.00 Uhr vom Dom gestartet. Der
eigens für den Jubiläumsweg von Hand gefertigte, geschnitzte schwere Buchenwanderstock
mit gegossener Kupferspitze und der eingearbeiteten Gravur 125 Jahre DAV
Köln,sollte den gesamten Weg mitgetragen werden. Er sollte als Symbol
ähnlich einem Staffelholz an die Jubiläumswanderung erinnern und im Eifelheim
solange aufbewahrt werden, bis dieser Weg wieder zurück nach Köln begangen
werden wird.
Das Wetter und die Stimmung spielte voll mit. Die Strecke verlief auf
dem alten Römerkanalweg durch den Kottenforst um schließlich am" Stern
"bei Weilerswist entlang der Erftroute über Lommersum abzuknicken. In
Lommersum gegen 13.30 war nach km 33 Zwischenstop und bei Kaffee und Kuchen
von meiner Frau Simone wurden manche Kraftreserven aufgetankt.
Auch neue Wanderer kamen an diesem Punkt hinzu um den Frühaufstehern von
Köln eine moralische Unterstützung zu leisten. Nach der Pause waren die
Beine schwer und zeigten die ersten Ermüdungserscheinungen. Der Weg entlang
der Erft zog sich in die Länge, und forderte eine Ausfall in der Gruppe.
Krämpfe, Blasen und erheblichen Mineralverlust sollte ihren Tribut zahlen.Endlich
ging es in Stotzheim in den Hardtwald und die letzten km durch die engen
Pfade bis zum Kreuz nach Kreuzweingarten. Dieses lag Gott sei Dank oberhalb
unserer Übernachtungspension bei Frau Hahs ,die uns prompt um 17.30 Uhr
mit einem hauseigenem Tresterschnapps aus den Wanderschuhen holte. So
mancher ausgelaugte Körper hatte mit diesem Begrüßungsgetränk zu kämpfen.
Egal -alle waren happy in der Pension zu sein um gemeinsam im Brauhaus
den Tag ausklingen zu lassen. Natürlich wurde jeder vor dem Zu Bett gehen
von Mutter Hahs gefragt ob er nicht noch einen Trester wolle und mancher
wurde weich und mußte sich der Flasche beugen. Nach Tiefschlaf hieß es
wieder um 5.00 Uhr Aufstehen und nach üppigstem Frühstück ging es zum
nächsten Treffpunkt um 7.30 Uhr nach Bad Münstereifel. Willi Beckers hatte
ab dort die Führung und die Neueinsteiger sahen auf der heißen Sommerroute
durch die Felder und Höhen so manche vergessenen Orchideenpflanze. An
der Kakushöhle vorbei , ging es weiter Richtung Kall und über den Wackerberg
runter nach Gemünd. Der zuletzt sehr schmale Weg hatte jedoch seine Tücken
,den Vorsicht oberhalb des Wegekreuzes von Gemünd geht dieser zuerst in
einen verwilderten Garten und dann in einen Innenhof über um schließlich
durch den Hauseingang des Bauernhauses direkt wieder in der Ortsmitte
auf die Straße zu treffen. Das brachte natürlich einiges Gelächter unter
den Jungs hervor um schließlich gegen13.30 Uhr zu einem neuen Treffpunkt
auf eine größere Gruppe von weiteren DAV-lern ,die uns das letzte Stück
über den Urftsee, und Rursee nach Blens begleiten wollte, zu treffen.
Zuerst hieß es jedoch die Blasen zu verarzten, den diese und manche andere
Blessuren machten wiedermals zu schaffen. Daher machten sich Andreas und
Günther über die kürzere Route über Kloster Mariawald direkt zum Eifelheim
auf was durchaus eine vernünftige Variante war. Ein absolut verrücktes
Erlebnis hatten wir oberhalb von Gemünd .Nach einigen alpinistischen Auf-und
Abstiegen durch den Kermeter entlang des Urftsees und runter nach zur
Staumauer des Rursees kämpften sich die Jubi-wanderer auf die letzten
Höhen vor Blens. Wenigstens die Abendsonne über dem Tal von Blens belohnte
die ankommende Gruppe und alle waren mächtig kaputt aber dennoch stolz
und froh dabei gewesen zu sein.
2) 9997 Höhenmeter Bergsteigen vom Gardasee
bis zum Ötztal
Nach durchfahrener Nacht von Euskirchen in die nördlichen Berge des Gardasees
starteten wir gegen Mittag mit ca. 25 kg Expeditionsgepäck von den Wasserfällen
an der Refugio di Nardis 950 m in Richtung Presanella dem höchsten Berg im Trentino.
Auf dem ca.2200 m hoch gelegenem Bivacco di Roberetti richteten wir uns nach
kalter Bergwäsche am Bach und heißem Tee vom MSR Kocher zur Nacht. Am nächsten
Morgen starteten wir früh mit Stirnlampe bei Mondschein, so daß wir den leichten
2-3 er Presanella-Gipfel (3558m) gegen Mittag erreichten. Bei herrlichem Wetter
konnten wir unsere geplante Tour in Richtung Weißkugel im Ötztal erblicken. Nur
leider reichte der Blick erst bis in die Gegend um den Cevedale - Ortler.
Über den riesigen zerklüfteten Nordgletscher der Presanella machte sich unsere
Viererseilschaft unter Führung von Andre´zum Abstieg. Der auftretende Nebel erschwerte
den Weg durch die riesigen Spalten zur Refugio Denza ein wenig.
Am nächsten Tag mußte leider Ingo nach dem Abstieg ins Vermigliotal aufgeben,
da seine Füße vom Vortag nach der 15 stündigen Tour mächtig gelitten hatten.
Blasenübersät setzte er sich schließlich in den Bus um zurück zu den Rofenhöfen
bei Vent im Ötztal sich von / bei der Wirtin zu kurieren.
Wir anderen holten die verlorene Zeit von Vermiglio etwas auf indem wir uns mit
einer Busfahrt und Liftfahrt zur Talstation des Monte Vioz ca. auf 2000 m bringen
ließen um noch an diesem Spätnachmittag den Non-Stop Aufstieg zur neuen Berghütte
des Mt. Vioz auf 3610 m zu begeben. Noch vor der Abenddämmerung erreichten wir
die Refugio.Leider verlief die Nacht in dieser Höhe nicht so ruhig und reibungslos
im Schlafraum, obwohl dieser wirklich auf dem perfektesten Zustand war. Der eine
schnarchte, der andere redete im Schlaf. Es war schon lustig mitzuerleben wie
bereits eine so "geringe" Höhe Einfluss auf den Organismus hat. Nach spartanisch-italienischem
Bergsteigerfrühstück starteten wir im Morgengrauen bei durchwachsenen Wetter über
Mt.Vioz ( 3644 m ), nach Abstieg über Gletscher und Aufstieg über einem sehr
brüchigen 3 - 4er Grad zum Palon de la Mare ( 3703 m ), dessen Schneegipfel wir
im Nebel nicht für mehr, wie den Merzbacher Schlitten-berg wahrnahmen. Nachmittags
erreichten wir nach weiterer brüchiger Kletterpartie, am Mt. Rosole ( 3536 m
) den schneereichen Cevedale ( 3768 m ) und gegen Abend nach Abstieg über den
riesigen Nordgletscher die Cassatihütte. Nach ruhiger, aklimatisierter Nacht,
starteten wir noch im Dunkeln mit Lampen in Richtung Königsspitze ( 3858 m ),
als der Morgen dämmerte waren wir bereits am Gletscher und die Königsspitze begrüßte
uns in einem herrlichen Sonnenaufgangsrot wie aus dem Bilderbuch. Den Gipfel
erreichten wir gegen 9.30 Uhr über eine steile Eisflanke. Bei Windstille und
herrlichen Sonnenschein genossen wir das unglaubliche Panorama des zurückgelegten
Weges.Der Abstieg führte uns bis nach Sulden ( 1950 m ) wo wir abends unseren
kurierten Patienten wiedertrafen, um am nächsten Morgen zum Ortler aufzubrechen.
Die letzten Tage fast allein unterwegs, wunderten wir uns über den Wanderbetrieb
der hier herrschte und waren vor lauter "Servus" und "Grüß Gott" völlig aus der
Puste als wir nachmittags die Payerhütte erreichten.
Nachdem um 4.30 Uhr noch Nebel und Schnee das Wetter bestimmten und wir uns schon
auf einen faulen Tag eingestellt hatten, kam gegen 6.00 Uhr die Wirtin aufs Zimmer
und weckte uns. Bei absolut herrlichen Wetter, aber etwas spät wagten wir den
Aufstieg zum höchsten Berg unserer Tour, dem Ortler ( 3905 m ). Nachdem Andre`
am Vorabend die Schlüsselstellen erkundet hatte, ging es über diverse Kletterpassagen
in Fels und Eis, hoch zum Gipfel. Diesen erreichten wir gegen Mittag und zur
Belohnung gab es ein imposantes Panorama über all die in den letzten Tagen bestiegenen
Berge, dass die Schmerzen und Anstrengungen schnell vergessen ließ. Nach kurzer
Verweildauer bei sommerlichen Minus 10 Grad machten wir uns auf den Abstieg um
noch bis 18.00 Uhr das Abendessen in Sulden einnehmen zu können. Die Speisekarte
des nächsten Tages in Richtung Ötztal sollte wieder reichhaltig bestückt sein.
Leider zog schlechtes Wetter auf so das wir die Weisskugel ( 3778 m ) als letzten
Berg unserer Tour links liegen lassen mussten, um schließlich über Refugio Bellavista
( Schöne Aussichtshütte ) weiter zum Ziel an die Rofenhöfe im Ötztal zu gelangen.
Wir hoffen das wir bald regelmäßig von solch schönen Touren der Sektion berichten
zu dürfen um den einen oder anderen von euch zu neuen Touraktivitäten begeistern
zu können.
Euer Team-Extrem: André Hauschke, Manuel Spykermann, Ingo Bungart und
Thomas Radermacher.
Die kleine und dann doch große Haute Route
Von Saas Fee nach Chamonix
Die Haute Route – eine gewaltige Skitour und ein unvergessliches Erlebnis.
Der „Hohe Weg“ ist für die Skitourengänger die Königin
aller Skitouren.
Das „Unternehmen Haute Route“ war wohl das ehrgeizigste Projekt
der Skitourengruppe in diesem Jahr. Unser Führer André Hauschke,
Jörg Friedel, Christian Waniek und ich wollten in Saas Fee losgehen und
so weit kommen, wie es Wetter, Lawinenlage und Kondition zuließen. Dafür
hatten wir uns 7 Tage zzgl. An- und Abreise Zeit genommen. Schon bei der Vorbesprechung
wurde klar, dass das Ziel eindeutig die komplette klassische Haute Route in
der wenig begangenen Ost-West-Richtung sein wird und dass mit durchschnittlich
2.000 Hm Aufstieg pro Tag und einer Nacht in einer Selbstversorgerhütte
und einer weiteren in einer Biwakschachtel doch einiges auf uns zukommen würde.
Ach ja, die zwei Viertausender Strahlhorn (4.195 m) und Grand Combin (4.314
m) sollten auch noch „mitgenommen“ werden. Blieb nur zu hoffen,
dass die Bedingungen und das Wetter die Verwirklichung unserer Planungen ermöglichten.
Wir waren erleichtert, als am 22. eine Schönwetterperiode vorhergesagt
wurde und sich die Lawinensituation wieder entspannt hatte.

Wir fuhren am 24.4. um 3:00 Uhr bei André los zum Hotel Bergfreund
nach Herbriggen im Mattertal. Wir lagerten alles für die nächsten
Tage nicht benötigte Material ein und ließen uns nach kurzer Brotzeit
von Rudi per Bus nach Saas Fee bringen, um mit Liftunterstützung bis zum
Felskinn den kurzen Weg zur Britanniahütte (3.030 m) anzutreten. Dort
wurden noch einmal das Gehen am Seil und die Spaltenbergungsverfahren eingeübt.
Durch Andrés Verhandlungsgeschick konnten wir unsere Akklimatisationsnacht
und, wie sich später herausstellen sollte, einzige Nacht auf einer bewirtschafteten
Hütte, im Bergführerzimmer relativ komfortabel verbringen. Die Hütte
war ausgebucht. Nach einem wunderschönen Bergabend und genauso schönem
Morgen ging es um 5:40 Uhr, auf den ersten Metern noch mit Stirnlampe, zum
recht ebenen Aufstieg zum Adlerpass (3.789 m). Diesen hatten wir gegen 9:15
Uhr erreicht. Von Einsamkeit war noch keine Spur. Die Karawanen, teilweise
aus über zwanzig Skitouristen bestehend, rollten langsam den Gletscher
hinauf. Der Blick zum Strahlhorn sah allerdings nicht so einladend aus, da
der Wind aus Südost mächtig über die Grate pfiff und riesige
Schneefahnen aufwirbelte. Die wunderschöne Aussicht am Adlerpass konnte
nicht genossen werden. Wir legten wetterfeste Kleidung im ausgewachsenen Sturm
an und gingen weiter Richtung Strahlhorn, mehr oder weniger mühselig.
Am Gipfel hatte der Wind nachgelassen, so dass eine wohlverdiente Pause am
Skidepot wenige Meter unterhalb des Gipfels mit überwältigender Aussicht,
besonders auf die Monte Rosa Gruppe mit seiner ca. 2.500 m hohen Ostwand, gemacht
werden konnte.
Die lange Abfahrt führte uns zurück zum Adlerpass und über den
im oberen Teil steilen Adlergletscher, der zuerst noch Bruchharsch aufwies.
Der Spuk war aber schnell vorbei und es ging auf gutem Firn weiter zum Findelngletscher,
an dessen Ende wir uns bei einer ausgiebigen Pause an einem kleinen Stausee
von der Sonne verwöhnen ließen. Sulzschneehänge führten
uns nach Gant im Zermatter Skigebiet. Im Fußmarsch erreichten wir über
Sunegga zum Schluss mit der U-Bahn Zermatt, wo Rudi schon auf uns wartete.
Die Feinplanung für die Folgetage erwies sich schwierig, denn das Ziel
für den übernächsten Tag wäre die Charionhütte gewesen.
Sie war an diesem Tag ausgebucht. So sollte es am 26.04. von Zermatt über
den Col de Valpelline (3.562 m) und den Col de la Brulé (3.213 m) zur
Selbstversorgerhütte Refuge de Bouquetin (ca. 2.900 m) gehen. Am 27.4.
war dann eine Gewaltetappe über Col d’Eveque (3.392 m), Otemmagletscher,
Sonadongletscher zum Col de Sonadon (3.504 m) und noch weiter zur Biwakschachtel
Bivacco Musso (3.664 m) am Plateau de Couloir direkt unter der Grand Combin
Südwand geplant. Diese kompromisslose Entscheidung sollte später
den Erfolg der Tour gewährleisten, stellte sie doch allerhöchste
Anforderungen und widersprach dem Rat der lokalen Bergführer. Als Absicherungsmaßnahme
wurde für den 27.4. die Vignettehütte reserviert.

Nach einer geruhsamen Nacht und reichlichem Frühstück ließen
wir uns von Rudi nach Zermatt bringen. Wir nutzten die erste Gondel Richtung
Schwarzsee und querten in nordwestlicher Richtung oberhalb der Staffelalpe
in das Mattertal bis auf 2.300m. Bei herrlichstem Wetter und grandioser Aussicht
auf die Matterhorn-Nordwand, Dent d’Herent, Dent Blanche und Obergabelhorn
stiegen wir in angenehmem Tempo in zunächst sehr flachem Gelände,
ohne deutlich Höhe zu machen, Richtung Schönbielhütte und später
in einem weiten Bogen nach Westen ausholend zum Col de Valpeline, welchen wir
schweißdurchnässt in der Mittagswärme erreichten. Es folgte
eine angenehme und kühlende Abfahrt nach Westen, wobei wir uns von der
Matterhornkathedrale verabschiedeten. Der Aufstieg zum Col de la Brulé verlangte
nochmals einige Reserven und die Abfahrt allerhöchste Konzentration. Das
gut 40 Grad steile Gelände war arg zerfahren und bereits sulzig geworden.
Also noch mal Kräfte sammeln und mit Sicherheitsabständen in den
Steilhang, der dann aber auch schnell überwunden war. Nach weiterer ebener
Abfahrt waren wir nach einem kurzen aber brütend warmem Gegenanstieg am
urgemütlichen Refuge de Bouquetin angekommen. Der sehr zuvorkommende Wirt
hatte schon Tee für uns gekocht und eine französische Gruppe hatte
die Hütte bereits gut geheizt und fleißig Schnee geschmolzen. Die
Gästehütte mit achteckigem Grundriss bot für etwa 16 Personen
Platz. In der Mitte befand sich ein uriger Ofen mit Kochgelegenheit, um den
die Liegefläche und zwei kleine Tische angeordnet waren. Nachdem genügend
Schnee aufgekocht und ausreichend Flüssigkeit nachgetankt war, gab es
Hühnerbrühe aus der Tüte und sogar ein Glas Rotwein vom Hüttenwirt.
Dies verhalf uns wieder zu Kräften für den kommenden Großkampftag.
Leider hielten es die französischen Bergkameraden mit der Frischluft nicht
so genau. Wir wollten doch eher bei geöffnetem Fenster, nicht im kompletten
Mief der Unterwäsche, Socken und Innenschuhe schlafen. Unsere Nachbarn
sahen dies etwas anders … na ja, die „Gallier“ waren halt
zuerst da und der Klügere gibt ja bekanntlich nach und so ging es zunächst
bei Temperaturen einer finnischen Sauna nur in Unterhose und T-Shirt in den
Hüttenschlafsack. Neben der anfänglichen Hitze sorgte auch ein gelegentliches
Poltern von Eislawinen dafür, dass man nicht so schnell einschlafen konnte.
Auch der Morgen des 27.4. begrüßte uns mit Traumwetter. Noch im
Schein von Sternen und Stirnlampe ging es auf eine lange und zügige Hangquerung
in genügendem Sicherheitsabstand zu den Wänden, die am Abend keine
Ruhe gegeben hatten. Der Aufstieg zum Col d’Eveque begann dann auf etwa
2.750 m. In gut geneigtem Gelände erreichten wir den Pass auf 3.392 m
zügig und ohne Mühen. Dort begegnete uns reichlich Gegenverkehr.
In unsere Richtung ging heute erneut niemand. Vom Col d’Eveque ging es über
eine lohnende, teils steile Abkürzung via Col Collon zum Otemmagletscher,
was einige Abfahrtskilometer und Zeit einsparte. Dieser lange und ebene Gletscher
war noch hart gefroren, so dass wir ohne Mühe in endlos langen Carvingschwüngen
ins Tal hinunterschossen und dabei reichlich Spaß hatten. Am Gletscherabfluss,
nach knapp 10 km auf absolut harter Unterlage, brach André beim Überqueren
eines mit blankem Eis zugefrorenem Gletscherbaches plötzlich bis zur Hüfte
in eiskaltes Wasser ein und verlor dabei beide Skier, die er aber Gott sei
Dank schnell wiedergefunden hatte. Aus der misslichen Lage hatte er sich bald
befreit. Nicht auszumalen, was passiert wäre, wenn das Wasser tiefer oder
die Strömung stärker gewesen wäre! Nach kurzer Lagebeurteilung
wurde entschieden, erst einmal weiterzugehen, ohne die Charionhütte aufzusuchen
und eine Mittagspause in der Sonne einzulegen. Hier zeigte sich das Leistungspotential
von André, der nach einigem Auf und Ab im Aufstieg Richtung Sonadongletscher
richtig Gas gab, um so eine längere Trockenpause auf einem aufgewärmten
Stein vor einer weiteren kurzen Abfahrt zu nutzen. Es begegnete uns wiederum
sehr viel Gegenverkehr, der von der Valsoreyhütte zur Charionhütte
unterwegs war. Wir hatten bereits 1.300 Hm hinter uns und weitere ca. 1.300
Hm und ein langer „Hatscher“ sollten noch folgen!

Nach letzter Brotzeit ging es auf den elendig langen und in der Mittagshitze
scheinbar glühenden Sonadongletscher. Der Wind ließ auch (noch) überhaupt
nichts von sich merken. Im oberen Teil musste ich die allerletzten Reserven
mobilisieren und kam nur unter allergrößter Mühe am Col de
Sonadon (3.504 m) mit reichlich Verspätung an. Leider war aber die Biwakschachtel
noch nicht erreicht. Es musste nochmals ein Stück abgefahren und durch
einen Steilhang zum Plateau de Couloir und etwas weiter zum Mussobiwak aufgestiegen
werden. Die kleine Biwakschachtel bietet auf engstem Raum bis zu 9 Personen
Platz und liegt in genialer Lage auf 3.664 m auf einem steilen Felsvorsprung.
Man hatte atemberaubende Tiefblicke in Richtung Valsoreyhütte und unseren
weiteren Tourenverlauf. Weniger einladend sah die Grand Combin Südwand
aus, da sich zunehmend starker Wind und schlechtere Sicht bemerkbar machten.
Dies bestätigte uns auch ein Ehepaar, das vom Grand Combin erst gegen
19:30 Uhr ziemlich durchgefröstelt zurückgekehrt war. Aufgrund Platzmangels
in unserer „Blechdose“ zogen die beiden es vor, trotz aufziehendem
Sturm in ihrem Zelt zu übernachten. Das Kochen von Tee und Verpflegung
brauchte auf dem Gaskocher auch so seine Zeit. Nach ziemlich kalter Nacht in
Daunenjacken und „Pferdedecken“ folgte der erste bange Blick in
Richtung Zelt der beiden Wiener, ob selbiges noch nicht samt Inhalt die Klippen
heruntergeweht war… es war Gott sei Dank noch da und die beiden Insassen
hatten in ihren Schlafsäcken sicher auch wärmer genächtigt als
wir.
Der heutige geplante Gipfel hüllte sich in dichte Wolken und auch der
Wind legte nochmals an Intensität zu, so dass vorerst nicht an eine Besteigung
via Südwand gedacht werden konnte. Also wurde gefrühstückt,
immer weiter Tee gekocht, da wir vom Vortag noch ziemlich dehydriert waren
und abgewartet. Gegen 10 Uhr entschieden wir uns, nach Bourg St. Pierre abzufahren.
Den im oberen Teil sehr steilen und vereisten Hang kamen wir ohne Probleme
hinunter und passierten die Valsoreyhütte (3.030 m) etwas südlich
und kamen bald in tiefen Sulz und Faulschnee. Aber damit noch nicht genug,
musste auch noch eine kleine Schlucht durch einen Marsch quer durch einen Bach
begangen werden. Glücklicherweise blieben hier alle trocken. Bourg St.
Pierre (1.680 m) war dann nach kurzem Fußmarsch schnell erreicht und
unser Lunch hat bei den Entbehrungen der letzten Tage gleich doppelt so gut
geschmeckt. Mit dem Bus und weiter mit dem Taxi ging es nach Champex (1.477
m), wo wir eine gemütliche
Unterkunft gefunden hatten. Am Abend ließen wir den Ruhetag bei Raclette
gediegen ausklingen.
Am 29.4. sind wir über den Arpette Gletscher und das bis knapp 60 Grad
steile Fenêtre de la Chamoix (ca. 3.000 m) aufgestiegen
und wollten eigentlich nur bis zur Trienthütte (3.170 m). Als wir über
Handy den Wetterbericht abriefen, fiel der einstimmige Entschluss nicht schwer,
wieder einmal voll anzugreifen, Gas zu geben und bis Argentière durchzustarten,
denn das Wetter sollte mit vorausgesagtem Schneesturm für einige Tage
richtig schlecht werden. Wir wollten nicht auf einer Hütte eingeschneit
verharren müssen. So ging es bei erneut aufziehendem Sturm über einen
flachen, aber erstaunlich spaltenreichen Gletscher zum Fenêtre de Saleina
und nach kurzer aber steiler Abfahrt weiter zum Col de Chardonnet (3.321 m).
Der letzte Anstieg verlangte noch einmal vollste Konzentration. Durch den letzten
warmen Sommer hat sich der Hang derart verändert, dass nur noch eine bis
ca. 60 Grad steile mit sehr marodem Fixseil gesicherte Eisrinne übrig
geblieben ist. Also kamen nochmals Eispickel, Steigeisen und Seil zum Einsatz.
Die lange Abfahrt, jetzt im schweren Sturm, nach Argentiere war, wie gewohnt,
oben eisig und unten sulzig. Erschöpft aber glücklich kamen wir gegen
18:00 Uhr nach knapp 13-stündiger Tour in Argentiere an.

Zurück in Herbriggen bekamen wir rein zufällig ein Gespräch
zwischen vier Schweizer Bergführern mit, die alle die Haute Route abbrechen
mussten. Sie waren sich einig, dass wegen des Wetters die große Haute
Route nicht möglich wäre. Umso erstaunter waren sie, als unsere Wirtin
meinte, dass das Quatsch sei, wenn die vier Rheinländer das schon schaffen
würden. Daher geht mein Dank besonders an unseren Tourenführer André,
der in allen Situationen die Sache voll im Griff hatte und an Jörg und
Christian, mit denen ein starkes Viererteam entstanden ist, das sich immer
gegenseitig unterstützte und füreinander da war.
Text und Fotos: Jens Hennig
4) Fünf Rheinländer auf dem Weg zum Dom
Was hat der Dom mit Bergsteigen zu tun, werden sich jetzt manche fragen. Sehr
viel, denn mit dem Dom ist nicht der Kölner Dom, sondern der höchste
ganz auf Schweizer Boden gelegene Berg gemeint. Stolze 4.545 m misst der Gipfel,
technisch nicht schwer, aber dafür eine echte Herausforderung an die eigene
Kondition. Der Aufstieg vom Tal bis zum Gipfel mit 3.160 Höhenmetern ist
der längste Gipfelanstieg in den Westalpen! Im Spätsommer 2004 fanden
sich also vier Bergsteiger aus der Sektion Rheinland-Köln zusammen, die
unter der Führung von Fachübungsleiter André Hauschke den
Dom besteigen wollten. Wir vier – Klaus Weber, Klaus Berthold, Mick Holzhueter,
Andreas Borchert – hatten schon ausreichend Berg- und Gipfelerfahrung,
aber ein Viertausender fehlte uns allen noch im Tourenbuch. Und es sollte ein
besonderer Berg sein, bei dem sich die technischen Schwierigkeiten in Grenzen
hielten und den wir ohne Zuhilfenahme von Seilbahnen besteigen konnten, also „by
fair means“. Wenn schon ein Viertausender, dann ein Richtiger, sagten
wir uns. So war das Domprojekt 2004 für uns geboren.
Am 26. August brachen wir am frühen Nachmittag bei durchwachsenen Wetter
von Euskirchen auf, mit den Aussichten des Wetterberichtes, das wir eigentlich
in den nächsten Tagen gutes Wetter haben sollten. Am nächsten Morgen
lachte uns dann auch tatsächlich die Sonne entgegen. Wir hatten Unterkunft
gemacht im Hotel Bergfreund in Herbriggen, denn hier trifft sich die komplette
Bergsteigerszene. Ob Bergführer, Bergschulen oder Bergsport-Reiseveranstalter,
das Hotel Bergfreund ist die erste Adresse im Mattertal (Wallis) und man ist
stets unter Gleichgesinnten.
Wir hatten natürlich nicht vor direkt auf den Dom zu steigen, sondern
wollten und mussten uns erst einmal akklimatisieren. Dafür sollte dann
eine Zweitagestour auf den Alphubel (4.206 m) ausreichen. Wir wussten das eine
Tour auf den Alphubel in dem Sinne keine Eingehtour ist, geschweige eine optimale
Höhenanpassung, doch wir waren alle gut im Training und André beruhigte
uns mit den Worten: Das passt schon.
Ich hatte mich auch extra 6 Wochen vorher auf dem Stepper und Fahrrad im Fitnessstudio
gequält, weil ich wusste das wir ein straffes Programm mit einigen Höhenmetern
vor uns hatten. Im Nachhinein war ich dann doch froh, das ich mich so gut vorbereitet
hatte.
Damit wir am Anfang nicht ganz so viele Höhenmeter machen mussten ließen
wir es bei strahlenden Sonnenschein locker angehen. Rudi, der Hotelbesitzer,
fuhr uns mit dem VW-Bus bis zur oberen Täschalp (2.214 m), von der wir
uns dann auf dem Weg zur Täschhütte (2.701 m) machten. Zum erstenmal
lachten uns die richtig hohen Viertausender entgegen u.a. der Paradegipfel
des Weishorn (4.505 m). Der Aufstieg zur Täschhütte war nach ca.
500 Höhenmetern recht schnell erreicht und wir hatten gerade erst mal
Mittagszeit. Nachdem wir schon mal unser Nachtlager besichtigt hatten beschlossen
wir noch etwas höher bis zum Gletscherrand zu gehen. So wussten wir schon
mal den Weg, den wir am nächsten Morgen – oder sollte ich Nacht
sagen – gehen würden. Das waren dann noch mal ca. 500 Höhenmeter
und für unsere Akklimatisierung optimal, weil wir zum Schlafen wieder
zur Hütte abstiegen. Auf dem Weg zum Gletscher wurde mit zunehmender Höhe
auch das Panorama immer gewaltiger. Erstmals tauchte auch das Matterhorn (4.478
m) in unser Blickfeld auf. Majestätisch blickte es zu uns mit seinem markanten
Hörnligrat herüber. An einem kleinen Eissee am Gletscherrand machten
wir auf einer Höhe von ca. 3.300 m Pause. Man merkte jetzt schon etwas
die Höhe, immerhin war wir noch 24 Stunden zuvor fast auf Meeresspiegelhöhe
gewesen. Aber wir fühlten uns fit und keiner hatte ernsthafte Beschwerden.
So stiegen wir wieder etwas ab um noch ein paar Sicherheitsübungen mit
dem Seil für unsere morgige Gletschertour zu machen. Abschließend
ging es dann gemütlich zurück zur Täschhütte.
Wer noch nie auf einer Schweizer Hütte war, der wundert sich wahrscheinlich über
die sanitären Einrichtungen. Es ist mit Sicherheit nicht jedermanns Sache
auf ein Plumpsklo zu gehen bzw. sich unter freien Himmel zu waschen. Aber so
ist das halt auf den höhergelegenen Hütten in der Schweiz,
da sollte man nicht unbedingt in der Nacht mehrmals rausmüssen. Wie wir
später feststellen durften, gibt es allerdings bei den sanitären
Einrichtungen auch Unterschiede. Dementsprechend abschreckend war es auf der
Täschhütte. Hätte man hier drin ein Feuerzeug angemacht, dann
hätte man garantiert einen Freiflug bis zum Alphubel gebucht, weil einem
das Klo im wahrsten Sinne unter dem Allerwertesten weggeflogen wäre. Da
hieß es dann nur: Augen zu und durch.
Am nächsten Morgen war die Nacht um 3:30 Uhr vorbei. An richtiges Schlafen
ist auf so hoch gelegenen Hütten sowieso nicht zu Denken, aber es war
relativ wenig los und wir hatten in unserem Lager genügend Platz gehabt.
Für alle – außer André – waren das neue Erfahrungen,
denn solche Aufstehuhrzeiten werden hauptsächlich in den Westalpen gepflegt.
Die Aufstiege sind lang und man weiß später am Tag warum man so
früh losgegangen ist. Auf uns warteten über 1.400 Höhenmeter
Aufstieg und unser erster Viertausender. Bei Vollmond stiefelten wir schweigsam
zum zweitenmal zum Gletscherrand. Der Mond schien so hell, das wir unsere Stirnlampen
hätten ausschalten können. Es waren nicht viele Seilschaften unterwegs
und so erreichten wir fast alleine die Gletscherzunge. Wir banden uns ein und
zogen unsere Steigeisen an, während langsam die Sonne am Horizont aufging.
Ehrfurchtsvoll wanderte unser Blick zu den gegenüberliegenden Viertausendern
hinüber. Das Morgenlicht lies sie bläulich-violett erstrahlen und
alleine für diesen Anblick hatte sich die Tour schon gelohnt. Auf knallharten,
knirschenden Firn machten wir uns auf dem Weg zu unserem ersten Viertausender.
Der Weg bis zum Alphubeljoch ist nicht technisch schwer, man sollte jedoch
eine sichere Steigeisentechnik haben, denn immer wieder gilt es zu Queren und
zu steigen. Mit den ersten Sonnenstrahlen erreichten wir das Joch auf einer
Höhe von ca. 3.800 m. Hier hatten wir uns erst mal eine Pause verdient,
denn 1.100 Höhenmeter lagen schon hinter uns. Ich fühlte mich topfit,
aber es gab auch schon bei dem ein oder anderen Bergkameraden leichte Begleiterscheinungen
in Form von Kopfschmerzen. Wir hatten die magische Grenze von 4.000 m aber
noch nicht durchbrochen, wie würde es weitergehen ? Wichtig war jetzt
auch das Trinken in der Höhe. Meine Kollegen hatten alle Camelbags in
ihrem Rucksack, ich komme damit nicht klar und hatte meine normalen Sigg-Flaschen
und eine Thermosflasche dabei. In den Siggs hatte sich schon Eis gebildet,
aber der Tee in der Thermosflasche war noch schön heiß. Meine guten
Powerbar-Riegel konnte ich aber nur noch als Schlagstock benutzen so hart waren
sie gefroren. Mit zunehmender Höhe wurde es natürlich auch immer
kälter und deshalb hielten wir uns auch nicht zulange auf. Wir genossen
noch mal den Blick auf das Strahlhorn und das Allalinhorn und machten uns wieder
auf den Weg. Wir wollten den Normalweg nehmen und nicht über die Nase – ein
Grataufstieg – aufsteigen. 
Es war unser erster Viertausender und da sollte
man es nicht gleich übertreiben. Wir querten unter dem Alphubel, zur rechten
Seite das Tal von Saas Fee, bis wir zum steilen Gipfelaufschwung kamen. Hier
ereichten wir auch die magische 4 und mit ihr begannen unsere Probleme. Nachdem
Mick schon auf der Hütte mit leichten Kopfschmerzen zu tun hatte, blieb
ihm jetzt langsam die Luft weg. Und das im geraden steilsten Abschnitt der
Tour. So kamen wir auf den letzten 150 Höhenmeter nur recht langsam voran.
Mick ging 10 Schritte und musste dann eine Pause machen, in diesem Intervall
und mit viel gutem Zureden erreichten wir glücklich den Gipfel. Anscheinend
erging es anderen Bergsteigern noch schlechter, denn am Wegesrand sah man häufiger
Reste vom Hüttenfrühstück liegen. Am Gipfel wurde das obligatorische
Gipfelfoto gemacht, aber aufgrund des Windes stiegen wir wieder schnell unter
den windgeschützten Grad ab. Der Blick von Gipfel reichte bis zur Mont-Blanc-Gruppe,
auf der anderen Seite grüßten uns Eiger, Mönch und Jungfrau
entgegen, es war einfach fantastisch. Direkt gegenüber stand unser großes
Ziel, der Dom nebst seinem Nachbar, dem Täschhorn. Als wir abstiegen kamen
uns einige Seilschaften entgegen bei den wir nur die Köpfe schüttelten.
Ihre Anseilmethoden waren einfach haarsträubend und nicht in Worte zu
fassen. Ein älterer Bergsteiger sicherte sich zusätzlich mit einer
Reepschnur vom Handgelenk zum Seil, was immer das auch bringen sollte. Im Falle
eine Spaltensturzes hätte er in Zukunft einhändig essen dürfen,
falls er es überlebt hätte.
Der Abstieg zur Täschhütte entwickelte sich dann zum langen Schneehatscher,
bzw. im unteren Teil zum Tanz auf aperen Eis. Die starke Sonneneinstrahlung
trug im oberen Teil dazu bei, das der Schnee aufweichte und auf der Gletscherzunge
teilweise ganz verschwunden war. Nach einer Erholungspause auf der Täschhütte
ging es dann noch die restlichen 500 Höhenmeter zur Täschalp zurück
wo schon unser Bergtaxi von unserem Hotel Bergfreund wartete um uns abzuholen.
1.500 Höhenmeter Aufstieg und 2.000 Höhenmeter Abstieg lagen an diesem
Tag hinter uns, wir hatten unseren ersten Viertausender geschafft und waren
zufrieden, obwohl wir wussten das ein noch schwererer Brocken auf uns wartete.
Immerhin sollte der Alphubel nur unsere Eingehtour für den Dom gewesen
sein...

Am nächsten Morgen machten wir uns vom Hotel Bergfreund auf dem Weg zur
Domhütte. Rudi fuhr uns erst mal in das Örtchen Randa von wo der
Aufstieg beginnt. Alleine der Weg zur Domhütte hat schon einen hochalpinen
Charakter und steht so mancher Gipfelbesteigung in den Ostalpen an Schwierigkeiten
nicht nach. In gut 5 - 6 Stunden müssen ca. 1.500 Höhenmeter bewältigt
werden. Vom Tal an stets steil ansteigend, anfangs durch Wald bis man irgendwann
an der Abzweigung
zur Europahütte herauskommt. Ab hier nehmen die Schwierigkeiten zu und
man sollte spätestens jetzt die Hände aus den Taschen nehmen. Am
festen Fels geht es auf einer Art Klettersteig mit Seilsicherungen und sogar
einer Leiter über Stufen, Rinnen und Bändern steil hinauf zur originell
in Form eines Bergkristalls gebauten Domhütte (2.940 m). Das Wetter spielte
an diesem Tag nicht mit und so hangelten wir uns im Nebel und Graupel den Steig
empor. Als Entschädigung begrüßte uns ein mächtiger Steinbock,
der plötzlich über uns auftauchte und unsere Kraxeleinlagen beobachtete.
An der Domhütte angekommen verschlechterte sich das Wetter mehr und mehr.
Inzwischen gab es zum Nebel noch stürmischen Schneeregen und wir waren
in Sorge für den kommenden Tag. Die Wettervorhersage sagte uns gutes Wetter
voraus, daran war aber zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu denken. Es hatten sich
nur ein paar Bergsteiger auf der Hütte eingefunden und so hatten wir wieder
ausreichend Platz im Lager. Beim Abendessen blickten wir überrascht nach
draußen als ein neuseeländisches Paar es sich vor der Hütte
gemütlich machte und biwakierte. Im eiskalten, stürmischen Schneeregen
kochten sie ihr Süppchen und ließen sich nichts anhaben. Respekt.
Wer schon mal auf der Domhütte war, der kennt auch den Hüttenwirt
Franz Brantschen. Ein Unikum, alleine schon durch sein äußeres Erscheinungsbild
auf den ersten Blick furchteinflössend. Genauso war auch sein Weckruf
morgens um 3:00 Uhr, der uns nach einer sowieso schlecht geschlafenen Nacht
aus dem Lager riss. Am Dom geht man früh los und das muss man auch. Es
stehen noch mal ca. 1600 Höhenmeter bevor und der Normalweg hinauf ist
lang, sehr lang. Wir hatten am Vorabend vom Hüttenwirt schon ein paar
ausreichende Warnungen mit auf dem Weg bekommen. Tags zuvor wurde ein Bergsteiger
von herabstürzenden Steinen am Aufstieg zum Festijoch durch vorsteigende
Seilschaften schwer verletzt und musste ausgeflogen werden. Eine Woche vorher
harrten zwei Bergsteiger stundenlang in einer Gletscherspalte aus, bis zufällig
ein Bergführer sie fand und befreite. In der Nacht musste ich selber erleben,
wie sich ich auf meinen nächtlichen Gang zur Toilette um 22:00 Uhr zwei
Stirnlampen von der Seitenmoräne der Hütte näherten. Die Sommersaison
am Dom ist nur kurz, er gilt als WS (wenig schwierig), aber die Höhe,
die Länge der Tour und die Wetterverhältnisse (er ist bekannt als
kalter Berg mit Schneestürmen) machen seine Schwierigkeiten aus.
Am Morgen erfuhr ich dann, das Klaus nicht mitgehen würde, er wollte auf
der Hütte bleiben.
Als wir uns nach einem kargen Frühstück in kalter Hütte nur
noch zu Viert auf dem Weg machten waren die Regenwolken wie weggewischt. Es
hatte über Nacht gefroren und der Himmel war sternenklar. Der Vollmond
leuchtete den beschwerlichen Weg über die Moräne zum Gletschereinstieg.
Plötzlich teilte uns Mick mit, das er sich nicht fit fühlte und auch
nicht weitergehen würde. Er hatte schon am Alphubel Schwierigkeiten mit
der Höhe gehabt und heute wollten wir noch eine Etage höher. Nur
noch zu Dritt erreichten wir den Gletscher, zogen unsere Steigeisen an und
seilten uns an. Rund um uns herum wurden die Berge vom Vollmond angeleuchtet:
Matterhorn, Zinalrothorn, Weisshorn, Bishorn usw.

Mäßig ansteigend ging es auf dem Festigletscher bis zu einem felsigen
Aufschwung unter dem Festijoch. Hier mussten wir erst mal im brüchigen
Fels klettern bis wir den Grat zwischen Festigletscher und Hohberggletscher
erreichten. Weiter ging es luftig über ein ansteigendes Bändchen
(II) zu einem Absatz und hinab ins Festijoch. In diesem Kletterabschnitt bestand
absolute Steinschlaggefahr, wurde doch hier ein paar Tage zuvor der verunglückte
Bergsteiger von Steinen vorsteigender Seilschaften getroffen. Wir waren froh,
als wir diesen Felsaufschwung sicher geschafft hatten und das Festijoch (3.723
m) erreichten. Hier muss man sich entscheiden, ob man den kürzeren Weg über
den Festigrat (II) nimmt oder den langen, beschwerlichen Gletscheraufstieg.
Wir entschieden uns für die Tour über den Hohberggletscher und marschierten
los. Es waren nur zwei Seilschaften vor uns unterwegs, eine konnten wir in
weiter Ferne auf dem Gletscher sehen, die andere ging über den Festigrat.
Nach einiger Zeit ging es unter mächtigen Seracs vorbei, und wir beeilten
uns aus ihrer Reichweite zu kommen. Mit zunehmender Höhe nahm der Wind
zu. Die Sonne schien, aber der Wind stürmte auf und blies uns den Neuschnee
entgegen. Unter dem Lenzjoch ging es in südlicher Richtung weiter dem
Gipfelaufbau entgegen. Inzwischen hatte sich der Wind zu einem Sturm ausgedehnt.
André setzte im Neuschnee eine Spur, die bei mir als Seildritten schon
wieder verweht war. So stapften wir steil über die Gletscherhänge
nach oben. Vor uns sahen wir die zwei anderen Seilschaften und bemerkten plötzlich,
wie eine Seilschaft im Sattel zwischen Vor- und Hauptgipfel umdrehte. 200 Meter über
uns hatte sich ein Höhensturm entwickelt. Eine mächtige Windfahne
zog über den Gipfel. In einem Steilaufschwung trafen wir dann auf die
zurückkehrende Seilschaft. An aufrechtes Stehen war nicht mehr zu denken,
vorgebeugt tauschten wir uns kurz aus und sie teilten uns mit, das es oben
am Vorgipfel einfach zu stürmisch sei um weiterzugehen. Wir wollten aber
so einfach nicht aufgeben und setzten unseren Aufstieg fort.
Am Vorgipfel machten wir wieder eine kurze Pause. Hier wehte der Sturm am heftigsten
und wir hockten uns einfach erst mal hin um zu beratschlagen. Man konnte kaum
das eigene Wort verstehen und wir einigten uns darauf einen Versuch zu wagen.
Der Hauptgipfel ist ein steiler Aufschwung mit ca. 45 ° Grad Neigung, bei
optimalen Bedingungen also nichts Dramatisches. Heute aber forderte er unsere
volle Aufmerksamkeit und mir schauerte es schon vor dem Abstieg. Sturmdurchpeitscht
erreichten wir dann doch wenig später den Gipfel. Wir waren überglücklich
es doch geschafft zu haben und standen jetzt endlich auf dem höchsten
Schweizer Berg. Um uns herum schauten wir auf die umliegenden Gipfel von Täschhorn,
Alphubel, Allalinhorn, Strahlhorn sowie im Norden die Nachbarn der Lenzspitze,
Nadelhorn und Hohberghorn. Nachdem wir unser Gipfelfoto geschossen hatten machten
wir uns schleunigst auf den Rückweg. Er sollte noch sehr lang und beschwerlich
werden, ein wahrer Schinder durch den aufgeweichten Schnee. Konditionell völlig
ausgelaugt erreichten wir Stunden später den Gletscherrand, wo uns schon
Klaus und Mick erwarteten. Erschöpft aber rundum glücklich erreichten
wir die Hütte. Wir übernachteten noch eine Nacht auf der Hütte
und stiegen am nächsten Morgen bei leichten Nieselregen wieder ab. Das
Wetter war uns wirklich hold gewesen und hatte uns trotz Sturm den einen Tag
für die Dombesteigung geschenkt. Im Hotel Bergfreund angekommen erzählte
uns ein Bergführer, der uns von der Lenzspitze gesehen und beobachtete,
das es bei ihm nicht so stürmisch war, aber bei uns muss ja ganz schön
was losgewesen sein, bei der Windfahne die um den Dom brauste. Wir nickten
nur und ich war noch ein bisschen stolzer als zuvor. Meine Kollegen verabschiedeten
sich von André und mir, denn sie wollten noch am Nachmittag zurückfahren.
André nahm sich für die nächsten zwei Tage mit zwei Freunden
noch das Zinalrothorn vor und ich gönnte mir noch eine Ortsbesichtigung
in Zermatt. Erst am nächsten Tag wollte ich nach Serfaus fahren, wo unsere
Sektion das 75-jährige Hüttenjubiläum des Kölner Hauses
feierte, getreu nach dem Motto: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen...
Text und Bilder: Andreas Borchert
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